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Warum Vermeidung die Angst füttert

Dem Unangenehmen ausweichen beruhigt — für einen Moment. Auf Dauer macht es die Angst größer. Was hilft, ist überraschend.

Angst ist klug: Sie warnt uns vor Gefahr. Problematisch wird sie, wenn sie auch dort anspringt, wo keine echte Bedrohung ist — und wenn wir beginnen, immer mehr zu vermeiden, um sie nicht zu spüren.

Die Vermeidungsfalle

Weiche ich einer angstauslösenden Situation aus, sinkt die Anspannung sofort. Dieses Erleichterungsgefühl ist eine Belohnung — und Belohnungen verstärken Verhalten. So lernt das Gehirn: „Vermeiden hilft." Der Preis: Ich erfahre nie, dass die Situation eigentlich ungefährlich gewesen wäre. Die Angst bleibt nicht nur, sie wächst und breitet sich auf immer mehr Lebensbereiche aus.

Vermeidung ist ein Kredit: Sie zahlt sofort aus — mit hohen Zinsen, die später fällig werden.

Konfrontation: der Weg hindurch

Die wirksamste psychologische Antwort auf viele Ängste ist die Konfrontation (Exposition): sich der gefürchteten Situation bewusst, geplant und in kleinen Schritten zu stellen — und dabei zu bleiben, bis man die Erfahrung macht, dass das Befürchtete ausbleibt oder erträglich ist. Das emotionale Erleben dieser Erfahrung ist entscheidend, nicht nur das Darüber-Reden.1

Die moderne Forschung versteht Exposition heute als Lernprozess: Es geht weniger darum, dass die Angst in der Übung möglichst stark abfällt, sondern darum, neue, sicherere Erwartungen aufzubauen, die mit der alten Angstreaktion konkurrieren.2

Warum „in der Tiefe" wichtig ist

Vermeidung betrifft nicht nur äußere Situationen, sondern auch innere: schwierige Gefühle, Erinnerungen, Gedanken. Auch ihnen kann man behutsam begegnen, statt sie wegzudrücken. In meinem Ansatz arbeite ich deshalb in der mittleren Phase bewusst konfrontativ in der Tiefe — geschützt, im eigenen Tempo, aber direkt.

Wichtig: Konfrontation sollte nie überfordern. Bei ausgeprägten Angst- oder Traumafolgestörungen gehört sie in fachlich begleitete Hände. Sprechen Sie an, was für Sie machbar ist.

Quellen

  1. Foa, E. B., & Kozak, M. J. (1986). Emotional processing of fear: Exposure to corrective information. Psychological Bulletin, 99(1), 20–35.
  2. Craske, M. G., Treanor, M., Conway, C. C., Zbozinek, T., & Vervliet, B. (2014). Maximizing exposure therapy: An inhibitory learning approach. Behaviour Research and Therapy, 58, 10–23.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an ärztliche oder psychotherapeutische Fachpersonen.

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