← Zurück zum Blog Methode

Was die Tiefenpsychologie sieht

Manche Muster wiederholen sich, obwohl wir sie längst loswerden wollen. Die Tiefenpsychologie fragt: Warum eigentlich?

Warum gerate ich immer wieder an dieselbe Sorte Mensch? Warum reagiere ich in bestimmten Situationen über, obwohl ich es „besser weiß"? Solche Fragen führen unter die Oberfläche — und genau dort arbeitet die tiefenpsychologisch fundierte Perspektive.

Die Grundidee

Vieles von dem, was unser Erleben steuert, läuft unbewusst ab: frühe Beziehungserfahrungen, ungelöste innere Konflikte, Schutzstrategien, die einmal sinnvoll waren und heute im Weg stehen. Tiefenpsychologische Arbeit macht diese Muster sichtbar — nicht, um in der Vergangenheit zu wühlen, sondern um zu verstehen, was im Hier und Jetzt nachwirkt.

Was wir nicht verstehen, wiederholen wir. Was wir verstehen, können wir verändern.

Was in der Arbeit geschieht

Ist das wissenschaftlich belegt?

Ja. Eine viel beachtete Übersichtsarbeit zeigte, dass psychodynamische (tiefenpsychologische) Ansätze wirksam sind und ihre Effekte auch nach Abschluss der Arbeit oft weiter zunehmen.1 Eine Meta-Analyse zu längerfristigen psychodynamischen Verfahren fand deutliche Verbesserungen bei komplexeren Problemlagen.2 Und eine systematische Übersicht kam zu dem Schluss, dass psychodynamische Verfahren ähnlich wirksam sind wie andere empirisch gut gestützte Ansätze.3

Tiefe und Praxis gehören zusammen

Verstehen allein verändert noch nichts — und blinde Technik greift zu kurz. Deshalb verbinde ich beides: zuerst in die Tiefe gehen und Muster verstehen, dann mit praktischen, kognitiven Werkzeugen Neues einüben.

Quellen

  1. Shedler, J. (2010). The efficacy of psychodynamic psychotherapy. American Psychologist, 65(2), 98–109.
  2. Leichsenring, F., & Rabung, S. (2008). Effectiveness of long-term psychodynamic psychotherapy: A meta-analysis. JAMA, 300(13), 1551–1565.
  3. Steinert, C., Munder, T., Rabung, S., Hoyer, J., & Leichsenring, F. (2017). Psychodynamic Therapy: As Efficacious as Other Empirically Supported Treatments? American Journal of Psychiatry, 174(10), 943–953.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an ärztliche oder psychotherapeutische Fachpersonen.

Termin buchen